Dr. med. Irene Diegritz-Qaiyumi & Partner

 

Baby auf dem TöpfchenDurch eine Behandlung mit Desmopressin und regelmäßiger Verhaltenstherapie liegen die Erfolgschancen, ihr Kind trocken zu bekommen, bei 95%!

 

Lieber ins gemachte Bett ... als ins Bett gemacht.

 

Termilogie
Als primäre Enuresis nocturna, kurz „Bettnässen“ wird das Einnässen in mehr als 2 Nächten pro Monat bei gesunden Kindern im Alter von 5 - 6 Jahren bezeichnet, die vorher nie trocken waren (sonst sekundäre Enuresis nocturna).


Epidemologie
Die primäre Enuresis nocturna (PNE)ist nach den allergischen Erkrankungen die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter 657.000 Kinder zwischen fünf und 14 Jahren (7,31%) sind allein in Deutschland betroffen. Als Faustregel gilt: jedes 6. Kind zwischen 5 und 7 Jahren und jedes 10. Kind ab 10 Jahren ist Bettnässer.

Geschlechterverteilung von 1:2 (Mädchen zu Jungen). Weil das Bettnässen ein Tabuthema ist, sind nur ein Bruchteil der Betroffenen in Behandlung. Fälschlicherweise werden meist psychische Ursachen für das nächtliche Problem verantwortlich gemacht.


Ursachen und Pathophysiologie
Die Ursachen sind leider noch immer nicht vollständig geklärt. Die Pathogenese scheint multifaktoriell zu sein.


1.) Bei zahlreichen Bettnässern fand sich in vielen Studien das Fehlen des nächtlichen Anstiegs von ADH auch antidiuretisches Hormon aus den Hypophysenhinterlappen der Hirnanhangsdrüse genannt. Die Folge ist eine erhöhte nächtliche Urinproduktion, die die funktionelle Blasenkapazität überschreitet.


2.) Umfassend diskutiert wird auch eine herabgesetzte Blasenkapazität. Normalwerte für die funktionelle Blasenkapazität in ml = (Alter + 1 ) x 30.


3.) Außerdem hat man bei Bettnässern eine Störung des nächtlichen Schlafaufwachmechanismus festgestellt. Bettnässer sind extrem schwer erweckbar im Schlaf, so daß man das Bettnässen ähnlich wie das Schlafwandeln zu den Parasomnien zählt.


4.) Unzweifelhaft ist auch eine genetische Komponente. Nicht selten haben auch die Eltern betroffener Kinder füher selbst unter Bettnässen gelitten. Das Risiko beträgt für ein Kind, dessen Eltern beide Bettnässer waren 70%. War nur ein Elternteil Bettnässer beträgt das Risiko noch 40% (Chromosom 13/12/8/22 sind beteiligt).


5.) Mehrere Untersuchungen zeigen, das Bettnässen für Kinder und Eltern eine ernste körperliche und psychische Belastung bedeutet und das Selbstwertgefühl des Kindes nachhaltig beeinträchtigt.

 

Was kann man tun, um das Bettnässen erfolgreich zu behandeln?


An erster Stelle steht eine exakte Diagnostik:


Die Diagnose stützt sich auf die

 
  • Anamnese, Familienanamnese
  • Ausschluß organischer Erkrankungen (Diabetes mellitus, neurologische Störungen, z.B. Spina bifida etc., Nierenfehlbildungen, z.B. Doppelnieren, Beckennieren, Vesico-uretaler-Reflux, etc.)
  • Ausschluß Harnweginfekt (Urinuntersuchung)
  • Sonographie:
    - Harntrakt und Nieren
    - Blase bei mittlerer Füllung ( 60 bis 100 ml)
    - Restharn (< 10 ml)
  • Miktionsverhalten: Frequenz und Harnvolumen tagsüber plus Trinkverhalten über mindestens 2 Wochenenden = FBK funktionelle Blasenkapazität
  • Nächtliche Diurese:
  • Windelgewicht (brutto - netto) und Menge des ersten Morgenurins = NAV (nächtliches Ausscheidungsvermögen)
  • FBK < NAV - bedeutet nächtlicher ADH-Mangel


ADH-Mangel ist eine Indikation für die Indikation für Desmopressin, das synthetisch hergestellte antidiuretische Hormon oder
unter dem Handelsnmen „Minirin“ bekannt.


Wichtig für die Eltern ist Beruhigung. Bettnässen ist kein Indiz für eine psychische Erkrankung und kann erfolgreich behandelt werden.


Therapie


Vor allem bei Kindern (ab Kindergarten-Schul-Alter) stört das Bettnässen die familiäre und soziale Integration, beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und kann Abkapselung, Schulleistungsschwäche bis hin zu psychischen Störungen im Erwachsenalter nach sich ziehen. Auch die Eltern, meist die Mutter, werden z.T. erheblich belastet.


1.) Die Alarmtherapie mit z.B. Procon Windel-Slip-Alarmsensoren kann die schwere Erweckbarkeit der Kinder in den Schlafphasen positiv konditionieren. Es sind gute Erfolge zu verzeichnen. Diese Therapie sollte über 3 bis 6 Monate durchgeführt werden. Hier bei uns in der Praxis haben wir eine ca. 50% Rückfallquote, in anderen Studien wird eine höherer Rückfallquote bis 80% genannt.


2.) Anticholinergika (Mictionetten) sind nur beim Vorliegen einer instabilen Blase angezeigt. Dieses ist eher selten der Fall.


3.) Desmopressin (z.B. Minirin) 0,2, mg/Tag führt rasch zu signifikanter Besserung auch bei älteren Kindern mit nächtlichem ADH-Mangel und bei erfolgloser Alarmtherapie. Das Nebenwirkungsoptential von Desmopressin ist äußerst gering, vorrausgesetzt, die Flüssigkeitsretention nach Einnahme wird beachtet.


4.) Unterstützend wird auch eine Verhaltenstherapie mit positiver Verstärkung ( Einnäß-Kalender) und Motivationsstraining angeboten. Mit all diesen Maßnahmen läßt sich das nächtliche Einnässen heute erfolgreich behandeln.